Es gibt noch mehr Beatmungsformen als PCV und PSV

Als ich 1994 mit der ausserklinischen Beatmung anfing, gab es in Deutschland eigentlich nur 2 Beatmungsgeräte die verwendet wurden. Zum einem das PLV 100, mit dem nur volumenkontrollierte Beatmungen möglich waren, und das EV 800 mit dem druckgesteuerte, SIMV und IPPV-assistierte Beatmungen möglich waren.
Damit ließen sich damals eigentlich alle Patienten beatmen. PEEP war den beiden genannten Geräten nicht intrigiert sondern musste wenn er denn gewünscht war mittels externen PEEP-Ventils realisiert werden.
Trotz der damals beschränkten Möglichkeiten schienen die Patienten gut beatmet gewesen zu sein und auch Atelektasen waren eher selten.

Jedoch waren die Geräte damals große und schwere Kästen, so wog z. B. das PLV 100 stolze 12,8 kg und der interne Akku hatte eine Laufzeit von 1 Stunde, der von uns gelieferte externe Akku wog um die 15 kg hielt aber je nach Beatmungseinstellung bis zu 36 Stunden durch.
Heutige Beatmungsgeräte sind kleiner, leichter und auch leistungsfähiger, so ist heute der PEEP in jedem Gerät intrigiert und es gibt eine Vielzahl von möglichen Beatmungsformen, die da wären:

PSV, PCV, SIMV, PSIMV, PS.Tv, VCV (AC, VC), CPAP, S, S/T

Doch wie profitiert der Patient von den heutigen Möglichkeiten, vor allem von der Vielzahl der Beatmungsformen.
Gerade bei den Beatmungsformen scheint es das die Hersteller eigentlich nur zwei Formen intrigieren müssten, PCV und PSV, alle anderen Methoden sind zu reinen Exoten mutiert bzw. sind in ihrer Wirkungsweise nicht bekannt.

Hier zwei kleinen Geschichte dazu:

Ich war vor einiger Zeit auf einer Fachtagung zur ausserklinischen Beatmung. Dort wurde von einem Arzt der noch die alten Beatmungsgeräte kannte, weil er auch mit ihnen gearbeitet hat, berichtet das er einen jungen Mann auf eine volumenkontrollierte Beatmung eingestellt hat von der dieser Patient sehr profitiert. Ein Arzt, ich schätze er war etwa Mitte 30, im Publikum stellte dazu die Frage wie er sich das denn vorstellen müsste er kenne die volumenkontrollierte Beatmung nicht. Jetzt muss man dazu sagen dass der fragende Arzt an einer Klinik tätig ist die viele ausserklinisch beatmete Patienten betreut und auch er tagtäglich mit Beatmung zu tun hat und auch Patienten auf die Beatmung einstellt. Diesem Arzt waren eigentlich nur die Beatmungsformen PCV und PSV geläufig.

In einem anderen Fall war ich in einer Klinik, ein Patient sollte von einem Klinikgerät weg und an ein Heimbeatmungsgerät adaptiert werden. Dieser Patient hatte als beatmungsrelevante Diagnose COPD. Aufgrund der Erkrankung und der damit einhergehenden Veränderungen an der Lunge ist als Beatmungsform eigentlich eine PCV-Beatmung angezeigt.
Auf Wunsch der Ärzte sollte eine PSV-Beatmung eingestellt werden, auf meinen Einwand das eine PCV-Beatmung besser wäre wurde mir geantwortet das wäre technisch ein Rückschritt.

Diese Beispiele zeigen dass häufig eigentlich nur wenig Kenntnisse über die Beatmung insbesondere die Beatmungsformen und deren Möglichkeit bekannt sind. So wird häufig nach dem Motto verfahren, die Beatmungsform kenne ich, die hat bei dem letzten Patienten auch funktioniert also sollte das damit auch jetzt funktionieren.
Ich sehe gerade hier die Notwendigkeit die Ärzte und auch das Pflegepersonal besser zu den Geräten zu informieren. Zum einem durch die Hersteller der Heimbeatmungsgeräte, die versorgenden Firmen / Medizinprodukteberater und insbesondere auch durch die Fachgesellschaften, z. B. DiGaB.

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2 Responses to “Es gibt noch mehr Beatmungsformen als PCV und PSV”

  1. Martina Schindler sagt:

    Ich kann den Einwand, es gibt noch mehr Beatmungsformen als PSV/PCV nicht ganz nachvollziehen. Gerade in der Langzeitbeatmung geht es doch darum eine Form zu wählen, die den Patienten unterstützt, ihn ggf. etwas fordert, aber auf keinen Fall die Lunge weiter schädigt. Es ist erwiesen, dass bspw. bei volumenkontrollierter Beatmung eine schlechtere Verteilung des Atemgases vonstatten geht. Gerade in der Langzeitbeatmung sind PSV und PCV einfach Modi, mit denen Pat. sich wohl fühlen und in eine stabile Beatmungssituation gebracht werden können.

    • kreis wie rund sagt:

      Hallo,

      sicherlich sollte die beste und schonendste Beatmungsform für den Patienten gewählt werden sollte. Auch Mitarbeit des Patienten ist, sofern er es denn kann, ist wünschenswert. Auch bei einer volumenkontrollierten Beatmung lässt sich eine gute Verteilung des Volumens erreichen wenn man die Steuerung der Beatmung über den Flow wählt.
      Mit meinem Artikel geht es mir ja nicht darum die Beatmungsformen PSV / PCV zu verteufeln bzw. als nicht geeignet abzutun. Mir ging es mit meiner Kritik zu der vorherrschenden Praxis eigentlich darum dass man sich etwas mehr Gedanken zu dem allgemeinen Vorgehen macht. Ich hatte in dem Artikel zwei Beispiele angeführt, hier noch ein weiteres Beispiel das vielleicht besser aufzeigt was ich kritisiere.
      Ein Patient mit hohen Querschnitt und abhängig beatmet wurde auf eine PSV Beatmung eingestellt, bedingt durch den hohen Querschnitt trug dieser Patient beim Sitzen im Rollstuhl auch ein Stützkorsett. Wenn man sich vor Augen führt das die PSV Beatmung letztendlich eine aktive Unterstützung durch den Patienten erfordert damit eine gute und ausreichende Ventilation erreicht wird, kann man ohne weiteres behaupten das diese Beatmungsform für den Patienten letztendlich nicht geeignet war. Auch eine PCV Beatmung wäre in meinen Augen hier eher die weniger geeignet. Bei einem solchen Patienten würde ich eine volumenkontrollierte Beatmung favorisieren.
      Die Gründe für meine Wahl sind die das ich bei einer volumenkontrollierten Beatmung über ein festeingestelltes Volumen die bestmöglichste Ventilation sicherstellen kann. Wenn der Patient im Bett liegend auf den Rücken gelagert ist kann ich auch mit einer PCV Beatmung den Patienten ausreichend ventilieren. Sobald der Patient aber auf der Seite liegt wird das Inspirationsvolumen abnehmen. Besonders deutlich wird dies dann wenn der Patient im Rollstuhl sitzt und sein Korsett trägt, da sowohl durch die Sitzposition schon eine Abnahme des Inspirationsvolumens zustande kommt als auch durch das Korsett eine Verminderung des Inspirationsvolumens herbeigeführt wird. Über eine volumenkontrollierte Beatmung erreicht man ein gleichbleibendes Volumen, der Nachteil ist aber der das der Beatmungsdruck ansteigt dies lässt sich aber über vernünftige Einstellungen kompensieren. Diese Kompensation kann man dadurch erreichen dass die Steuerung nicht über die Zeit oder das I:E erfolgt, sondern über den Flow.
      Sicherlich kann im PCV Modus auch eine Volumensicherung wählen, hier besteht aber auch immer die Gefahr dass es zu einem Druckanstieg kommt. Bei der Elisée sieht das dann folgendermaßen aus, wir das eingestellte Volumen nicht erreicht wird der Beatmungsdruck um bis zu 5 cmH2O erhöht, reicht dies nicht wird der Duck nochmals um bis zu 20% erhöht. Das heißt bei einem Beatmungsdruck von 20 cmH2O in der ersten Stufe einen Druckanstieg auf bis zu 25 cmH2O, wenn das nicht reicht wird der Druck in der zweiten Stufen auf bis zu 30 cmH2O erhöht, dies würde dann bedeutet das der Beatmungsdruck um bis zu 10 cmH2O erhöht wird. Im volumenkontrollierten Modus kann ich bei der Elisée in den Alarmen den Druck gezielt begrenzen.
      Ich hoffe meine Ausführungen haben ein bisschen besser verdeutlicht was mein Anliegen ist.