Archive for the ‘Pflege’ Category

Bella Italia – wenn Einer eine Reise machen will

Dienstag, Januar 8th, 2013

24 Stunden invasiv beatmete Patienten haben es mit ihrem Handicap nicht leicht, sie sind rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Die Mobilität ist auch eingeschränkt insbesondere wenn man öffentliche Verkehrsmittel benutzen möchte, ganz schwierig wird das bei Fernreisen.
Was sich alles für Fragen und Probleme dabei auftun und ob diese auch zu bewältigen sind davon möchte ich hier berichten.

Hier die Geschichte dazu:
Es war einmal ein beatmeter Patient der wollt eine Urlaubsreise machen, doch diesmal wollte er weiter fort als nur an den Bodensee. Schnell war als Reiseziel Italien ausgewählt, doch jetzt fing es an schwierig zu werden. Es musste ein geeignetes Urlaubsdomizil gefunden werden, rollstuhlgeeignet und möglichst in der Nähe des Meers. Da Italien doch recht weit ist mit dem Auto und für einen Rollifahrer eine Autofahrt doch sehr anstrengend ist musste geklärt werden inwiefern eine Anreise mit dem Flugzeug möglich ist. Die weiteren Fragen kann alles im Flugzeug mitgenommen werden, wenn nicht wie lässt sich der Urlaub ansonsten realisieren.
Mit diesen Fragen und noch einigen mehr begann ein sehr engagiertes Pflegeteam die Reise zu planen.
Ob diese Geschichte ein gutes Ende genommen hat kann man hier lesen auf den Seiten 28 und 29.

Mein Dank gilt Herrn Christoph Jaschke für die Genehmigung den Artikel hier zu verlinken.

Pflegenotstand – meine Gedanken dazu

Sonntag, Januar 6th, 2013

Pflegenotstand ein Wort das in aller Munde ist. Erst letzten wurde in der Presse darüber berichtet das bis zum Jahr 2030 etwa 500.00 Pflegekräfte fehlen werden. Jedoch ist Pflegenotstand kein neues Phänomen. Schon zu der Zeit als ich meine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht habe, Anfang der 80er Jahre, gab es den heute so oft beschworen Pflegenotstand aber kein Mensch hat darüber gesprochen. Wir als Pflegepersonal haben damals wie heute eigentlich immer versucht den Notstand zu kompensieren und haben uns damit letztendlich keinen Gefallen getan.
Fairerweise muss man dazu aber sagen das wir in den 80er Jahren auf hohen Niveau gejammert haben, da der Personalstand auf einer Station mindestens der gleiche war wie heute, aber der administrative Aufwand geringer war.

Unsere Politiker haben was die Pflege angeht eine Menge Ideen.
Mal will man die ehemaligen Mitarbeiter von Quelle zu Pflegekräften in der Altenpflege umschulen, das gleiche gilt für Langzeitarbeitslose, etc.
Ende 2011 regte die  EU-Kommission an, eine einheitliche Ausbildung für Krankenschwestern, Krankenpfleger und Hebammen in der EU umsetzen. Würde es dazu kommen, dürften nur noch Menschen mit Abitur ausgebildet werden. Unser Gesundheits – Bahr sagte dazu im November: „Es verbieten sich alle Vorschläge aus Brüssel, die vorsehen, dass man nur noch mit Abitur in die Pflege kommen darf. Das wäre ein Irrweg für Deutschland. Wir brauchen auch Haupt- und Realschüler weiter als Pflegerinnen und Pfleger, sonst werden wir den künftigen Bedarf angesichts der alternden Bevölkerung nicht decken können.“
Was unserem Gesundheitsminister dabei aber scheinbar entgangen ist, ist das schon heute die Zugangsvoraussetzung zum Beruf die mittlere Reife voraussetzt, bzw. folgende Regeln gelten:

Für den Zugang zur Ausbildung wird folgende Schulbildung vorausgesetzt:

– ein mittlerer Bildungsabschluss oder
– der Hauptschulabschluss oder eine gleichwertige Schulbildung; hinzukommen muss aber, dass entweder
eine Berufsausbildung mit einer vorgesehenen Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren erfolgreich absolviert wurde
oder
eine Erlaubnis als Krankenpflegehelfer/in vorliegt oder eine erfolgreich abgeschlossene landesrechtlich geregelte Ausbildung von mindestens einjähriger Dauer in der Krankenpflegehilfe oder Altenpflegehilfe durchgeführt wurde

Das bedeutet dass die Forderung nach Hauptschülern in der Pflege, letztendlich nur über den Weg eine vorherige Berufsausbildung möglich ist.

Im Rahmen der ganzen Diskussion wurde jetzt auch schon darüber nachgedacht wie bestimmten Fällen die Ausbildung zu verkürzen. Ich halte das nicht für den richtigen Weg. Schon heute haben wir ein gewisses Konkurrenzdenken was die unterschiedlichen Ausbildungen in der Pflege angeht (Kinderkrankenpflege, Krankenpflege und Altenpflege). Häufig hört man von Seiten der Kinderkrankenpflegekräfte die Aussage, die aus der Erwachsenenpflege können keine Kinder pflegen wir aber Erwachsene, in aller Regel mit dem Nebensatz Kinder sind keine kleinen Erwachsene. Die Behauptung ist sicher richtig, aber anderseits sind Erwachsene auch keine großen Kinder (auch wenn es manchmal so scheint).
Ich denke wir müssen die Ausbildungen besser miteinander koordinieren, im Rahmen einer  ein bis anderthalb jährigen gemeinsamen Grundausbildung, mit anschließender Spezialisierung in verschiedene Fachbereiche z. B. Kinderkrankenpflege, Erwachsenenpflege, geriatrische Pflege usw..

Auch der zunehmende Wunsch zur Akademisierung der Pflege sei es von einzelnen Personen, Berufsgruppen oder -verbänden stimmt mich nachdenklich. Erst letzten sagte mir eine Krankenschwester, die vor anderthalb Jahren ihre Ausbildung abgeschlossen hat, dass sie in spätestens zwei Jahren Pflegemanagement studieren möchte. Ich finde das sehr ambitioniert, sehe darin aber auch ein Problem. Ich stelle mir dabei vor das diese Schwester nach 2 – 3 Jahren in der Pflege studiert und dann nach dem Studium einer Pflegekraft die seit 20 oder 30 Jahre in der Pflege tätig ist erklären will wie Pflege funktioniert. Das kann in meinen Augen nicht funktionieren, jemand der ein Studium in der Pflege anstrebt sollte mindestens 5 bis 10 Berufserfahrung in der Pflege beim Patienten nachweisen. Für jede Zusatzausbildung die man heute in der Pflege anstrebt werden 2 oder 3 Jahre Berufserfahrung gefordert, für die Ausbildung zum Case-Manager werden neben 3 Jahre Berufserfahrung auch noch eine Zusatzausbildung z. B. Intensiv / Anästhesie als Voraussetzungen gefordert.
Wir benötigen in der Pflege nicht immer mehr Akademiker und Theoretiker sondern gut ausgebildete, qualifizierte und letztendlich auch spezialisierte Praktiker.

Auch der Wunsch bzw. die Überlegungen andere Modelle in der Pflege einzuführen, z. B. die klassische Krankenpflegeausbildung für Pflegetätigkeiten und das Pflegestudium für die Behandlungspflege halte ich nicht für sinnvoll. Der Patient benötigt für sich Sicherheit und eine Art von Geborgenheit, die er darin findet dass die Pflegekraft die ihm bei der Körperpflege behilflich ist auch das Essen bringt und ebenso die Behandlungspflege übernimmt. Dadurch wird eine Vertrauensbasis geschaffen die letztendlich dem Patienten die zuvor genannte Sicherheit und Geborgenheit gibt. Dies wird heute schon im Rahmen der Bezugspflege praktiziert.

Auch der Ruf nach ausländischen Pflegekräften wird immer lauter. Grundsätzlich ist eigentlich nichts gegen ausländische Pflegekräfte einzuwenden, schon in den 80er Jahren wurden vielfach Schwestern von den Philippinen insbesondere in der Gynäkologie und der Altenpflege in Deutschland eingesetzt. Heute suchen die Pflegedienste ihr Personal auch schon  in Spanien, Portugal, Griechenland und auch in osteuropäischen Ländern. Die Pflegekräfte dort sind in aller Regel gut ausgebildet und durchaus für die ausserklinischen Intensivpflege geeignet. Ein ganz großes Problem stellen aber die sprachlichen Barrieren dar, und hier aber beginnt mein ganz persönlicher Alp – Traum. Ich stelle mir dann vor das eine Pflegekraft z. B. aus Rumänien im Oberbayerischen bei einem beatmungspflichtigen Almbauern eingesetzt wird, die Familie spricht den für die Region typischen Dialekt und die Pflegekraft nur sehr gebrochen Deutsch, eine Kommunikation wird hier nie wirklich zustande kommen und gerade die ist in einer Intensivpflege, aber auch in der Pflege, zu Hause unbedingt notwendig.
Das Problem ist das die rekrutierten Pflegekräfte von Haus meist selbst kein oder nur mangelhaft Deutsch sprechen oder verstehen können und auch häufig keinen Deutschkurs vor der regulären Arbeitsaufnahme besucht werden. Hier einmal zwei Beispiele aus meiner Praxis:

Bei einer Einweisung von Pflegepersonal hatte ich einige Personen aus dem osteuropäischen Raum, die kaum Deutsch sprachen geschweige denn verstanden. Diesen Personen wurde im Rahmen der Einweisung alles simultan übersetzt. Eine Situation die für mich letztendlich nicht akzeptabel war.
In einem anderen Fall war bei einer beatmeten Patientin eine Pflegekraft aus Tschechien eingesetzt die nur bedingt deutsch sprach und verstand. Von dieser Patientin wurde ob wohl nicht angeordnet und auch nicht notwendig dauerhaft Sauerstoff appliziert. Dieser Pflegekraft wurde gesagt dass der Sauerstoff nur gegeben werden soll wenn es denn notwendig sei, in der Patientendokumentation war dazu auch ein Grenzwert bei der Sauerstoffsättigung von 94% festgelegt. Diese Pflegekraft interpretierte das dahingehend das kein Sauerstoff mehr gegeben werden sollte.

Ich erwarte von den ausländischen Pflegekräften kein perfektes Deutsch, aber eine vernünftige Kommunikation gerade was die relevanten Dinge angeht. Dabei ist es dann aber auch notwendig das die Leistungserbringer und Ärzte mit möglichst einfachen Worten die Dinge versuchen zu erklären.
Ein richtiger Weg in die richtige Richtung ist vielleicht der den ein Pflegedienst jetzt praktiziert hat. Man hat dort ausländische Pflegekräfte eingestellt und sie in den ersten 6 Monaten, bei freier Kost und Logis und einem Taschengeld, an einen Deutschkurs teilnehmen lassen. Ich denke das ist schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung.

Doch wie lässt sich jetzt dem Pflegenotstand wirklich entgegen wirken?
Hier meine ganz persönlichen Gedanken dazu.
Zum einem sollte die Ausbildung bundesweit einheitlich geregelt sein, und die Altenpflege nicht irgendwo zwischen Pflegehelfer und Krankenschwester / -pfleger angesiedelt werden. Denn was sind letztendlich Altenpfleger/innen, doch eigentlich Krankenschwestern / -pfleger in der Fachrichtung Geriatrie.
Die Zusatzausbildungen / -qualifikationen sollten ebenso bundesweit einheitlich geregelt sein und sollten nicht in der Verantwortung einzelner Interessengruppen oder Verbänden liegen
Eine vernünftige Bezahlung muss her, ein Krankenhaus z. B. könnte nur mit den Ärzten die Patienten nicht versorgen, und das Personal das die Pflege für einen Apfel und ein Ei übernehmen (Nonnen und Diakonissen) gibt es heute kaum noch. Sicherlich braucht man um den Pflegeberuf auszuüben eine gehörige Portion Idealismus aber davon werden wir nicht satt oder können beim Bäcker ein Brot damit bezahlen. Ich weiß von einer Pflegekraft verheiratet, zwei Kinder die im Monat €1800.- brutto (davon gehen noch Steuern und die Sozialversicherungsbeiträge ab) verdient, in meinen Augen ist das einfach zu wenig für die Verantwortung die man als Pflegekraft trägt. Schließlich ist der Pflegeberuf einer der wenigen Ausbildungsberufe, wenn nicht der einzige, dem per Gericht bei schwerwiegenden Fehlern die Berufserlaubnis entzogen werden kann. Pflegedienste, -heime und Krankenhäuser müssen endlich erkennen das, das Pflegepersonal eigentlich das wertvollste Kapital ist was sie haben, der Ruf steht und fällt mit der Qualität der Pflege.

Zuletzt noch eine Sache die mir sehr am Herzen liegt, in der Politik sollten sich mit dem Thema Gesundheit Leute beschäftigen die auch aus diesem Bereich kommen und dort auch Erfahrung gesammelt haben. Von 1991 bis 2011 waren zwei studierte Volkswirtschaftlerinnen, ein Diplom-Verwaltungswirt (FH), eine Lehrerin und ein Arzt mit abgebrochener Facharztausbildung Gesundheitsminister/in. Momentan hat wieder ein gelernter Bankkaufmann und studierter Volkswirtschaftler den Posten des Gesundheitsministers inne. Waren es nicht die Banker die, die Weltwirtschaft fast ruiniert hätten, und sind Volkswirtschaftler nicht diejenigen die jedes Jahr aufs Neue die Entwicklung der Wirtschaft prognostizieren und dann im Laufe des Jahres nach unten korrigieren weil man sich leider doch verschätzt hat?
Wenn ich Probleme mit meinem Auto habe gehe ich damit in eine Kfz-Werkstatt und nicht in eine Fahrradwerkstatt, und lasse auch niemanden daran rumschrauben der seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker abgebrochen hat.